Nicht im Sinne des Tierschutzes
Der Auslandstierschutz steht immer wieder in der Kritik. Doch die Situation in Europa hat sich nicht entscheidend gebessert. Im Gegenteil: Im Sog der Krise geraten Tier & Natur verstärkt ins Abseits. Strassentiere haben keine Stimme. Nicht in der EU und nicht in ihrem direkten Umfeld. Deshalb ist Auslandtierschutz so immens wichtig.
Aber es gibt Schattenseiten und dazu gehört leider auch, dass Tierschutzorganisationen immer wieder gesetzliche Bestimmungen missachten und tierschutzgerechte Maßnahmen unterlassen, um Hunde und Katzen aus dem Ausland nach Deutschland zu bringen. Sie transportieren beinahe am Fliessband Tiere aus EU-Ländern nach Deutschland. Eine dieser Endlos-Karawanen zieht von Süden gen Norden – genauer von Spanien nach Deutschland. Tiertransporte entwickeln sich hier immer mehr zu einem Wirtschaftsfaktor. Beklemmend für jeden, der in verantwortungsbewusster und ehrlicher Absicht handelt, ist die Erkenntnis, dass spanische Tierheime (perreras) und deutsche Tierschutzorganisationen einen regelrechten - für beide Seiten lukrativen – Handel betreiben.
Und auch dies steht als Vorwurf im Raum, der dem Auslandstierschutz ein negatives Image verleiht: So dankbar private, spanische Organisationen um ausländische Hilfe sind, so sehr irritiert es sie, wenn sie aus dem fernen Norden kein Feedback erhalten. Wenn sie nichts erfahren über den Verbleib der ehemaligen Schützlinge, wenn Absprachen nicht eingehalten werden, wenn Kosten nicht rückerstattet werden, was mittlerweile nicht wenige Tierschutzorganisationen in eine finanzielle Schieflage bringt.
Die Rettung eines Iberischen Streuners findet sich nicht in dem spontanen Transport nach Deutschland. Die Bedenken, dass Hitze, Enge, Wassermangel und ein schlechter Gesundheitszustand auf 3000 Kilometer ein tierquälerisches Unterfangen sind, werden vorschnell weggewischt. Zwei deutsche Organisationen stehen deswegen nun am Pranger. Es sind zwei von vielen, die die Bestimmungen umschiffen und ignorieren. Tierschutz endete hier in grausamer Qual und im Erstickungstod. 26 Tiere auf zwei Transporten haben nicht überlebt. Beide Vereine fahren seit Jahren in stetiger Folge Transporte und zumindest eine der beiden Vereine steht nicht zum ersten Mal öffentlich in der Kritik des unverantwortlichen Verbringens spanischer Tiere nach Deutschland.
Wir möchten hier nicht anklagen, aber wir möchten unsern Ärger zum Ausdruck bringen, den wir mit vielen Organisationen teilen, die in verantwortungsbewusster Manier ordnungsgemäß alle bürokratischen und medizinischen Bedingen erfüllen, die im Vor- und im Nachhinein Sorge tragen, dass es den neuen Schützlingen gut geht, die parallel vor Ort darum kämpfen, den Tierschutz in die Köpfe der Menschen zu bringen, ihnen den Tierschutz als etwas Selbstverständliches in die Hände zu legen.
Menschen, die meinen „unbürokratisch und aus dem Bauch heraus zu handeln“ und dies als Alibi herhalten „zu retten“, schaden dem Ruf des Auslandstierschutzes enorm. Es sind dieselben Menschen, die sich (zu Recht) über Viehtransporte empören, die über die Jäger wettern, wenn diese ihre Hunde eingepfercht in winzigen Anhängern zum Revier karren. Aber sie handeln nicht besser.
Ein Tiertransport bedarf einer intensiven und akribischen Planung.
Die ausreisenden Tiere müssen den kompletten Impfschutz haben. (Tollwut, Parvovirose, Staupe, Leptospirose, etc.) Dieser ist erst nach 3-4 Wochen vorhanden.
Das leichtfertige Fälschen der Impfdaten, im Glauben dieses sei nicht nachzuweisen, wird immer öfter bei Kontrollen mittels einer simplen Laborprobe aufgedeckt. Urkundenfälschung und Vergehen gegen das Einfuhrgesetz von Tieren werden zur Anzeige gebracht und sind zudem die Folge, dass der Gesetzgeber einen willkommenen Grund mehr hat, die Einfuhr aus dem Ausland zu untersagen.
Tiere am Tag der Abreise zu impfen, ist lebensgefährlich. Etwaige Impfreaktion während des anstrengenden Transportes, Klimawechsel und der Stress der Umstellung werden zu oft in Kauf genommen.
Kranke oder frisch kastrierte Tiere dürfen nicht transportiert werden.Das Zuordnen von Hundekindern zu einem fremden Muttertier ist unverantwortlich. Welpen ohne Impfschutz überleben oft die ersten Wochen in der neuen Heimat nicht.
Gemäß dem Motto: „Die paar Stunden stehen wir schon durch“, werden die Tiere in teils unglaublicher Fahrlässigkeit transportiert. Folgendes ist unbedingt zu beachten:
Jeder Transport muss angemeldet und registriert sein (Traces).
Alle Transportboxen müssen fest arretiert und jederzeit schnell zugänglich sein.
Die Tiere brauchen genügend Platz in der Transportbox, es muss ihnen möglich sein sich hinzustellen oder sich umzudrehen. Ist dies nicht gegeben, kommt es zu Durchblutungsstörungen in den Beinen. Insbesondere ältere Tiere erleiden durch Transporte auf beengten Räumlichkeiten Embolien.
Jagdhunde gemeinsam mit Katzen zu transportieren (so geschehen in obigen Transporten) ist eine weitere Quälerei, die oft nicht bedacht wird. Die Jagdhunde sind durch die ständige, präsente Witterung gestresst. Sie hecheln verstärkt und verlieren dadurch noch mehr Flüssigkeit. Dass die Katzen sich ebenfalls in einer enormen Stresssituation befinden, erklärt sich von selbst.
Der Transport muss über eine gut funktionierende Kühlung und Ventilation verfügen. Wasser und Trinkschalen müssen ausreichend vorhanden sein.
Viele dieser selbstverständlichen Konditionen wurden von beiden Vereinen nicht eingehalten. Die Empörung schlug hohe Wogen, aber sie ebbte auch schnell wieder ab. Was bleibt ist der fahle Beigeschmack für den Auslandstierschutz im Allgemeinen.
Der EU-Gipfel tagt am heutigen 21. Juli in Brüssel. Griechenland, Portugal, Spanien stehen ganz oben auf der Agenda. Die Länder stehen am finanziellen Abgrund. Die wirtschaftlichen Sorgen sind groß und lassen keine Raum über den Schutz der Strassentiere zu beraten. Umso dringlicher sind wir Alle gefragt zu helfen und verantwortungsvoll zu handeln.
Wer detaillierte Informationen zu Tiertransporten innerhalb der EU sucht, kann sich gerne an info@etn-ev.de wenden. (Stichwort „Auslandstierschutz“)
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