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09.12.2011
Interview: Maja von Hohenzollern engagiert sich für die Straßenhunde in der Ukraine
Im Zuge der Europameisterschaft 2012 werden in der Ukraine tausende Straßenhunde grausam ermordet, um den Anblick der Straßen „sauber“ zu halten. Zahlreiche Tierfreunde und -schützer haben das brutale Vergehen bekannt gemacht und kämpfen nun zusammen mit der Öffentlichkeit, Seite an Seite, gegen diese schreckliche Tat. Prinzessin Maja von Hohenzollern ist einer dieser Tierschützer, die zuerst auf die Zustände in der Ukraine aufmerksam machten. Die Trägerin der Aachener Tierschutzmedaille 2010, des "Europäischen Tierschutzpreises" 2009 und des "World Shining Hero Award" 2001 war in Kiew vor Ort und sprach mit uns über ihr leidenschaftliches Engagement und über die erschütternde Situation in der Ukraine.
Liebe Maja von Hohenzollern, wie sind Sie zum Tierschutz gekommen?
Ich bin seit über 10 Jahren engagierte Tierschützerin. Vor einigen Jahren bin ich nach Süd-Spanien gezogen und habe hier einen Umgang mit Tieren kennengelernt, den ich nicht akzeptieren kann. Hier gibt es nur staatlichen Tierheime, in denen Tiere nach einer Woche getötet werden. Diese „Perreras“ sind also Tötungsstationen und keine Tierheime nach unserem Verständnis. Hunde und Katzen werden nach Belieben auf die Straße geworfen und niemand kümmert sich um sie. Über 100 000 Galgos (span. Jagdhunde) werden jedes Jahr brutal an Bäumen aufgehängt. Daran kann und will ich nicht vorbeigehen. Ich liebe Tiere und empfinde sie als Bereicherung meines Lebens. Sie haben eine Seele und das Recht auf ein unversehrtes Leben. Seit zwei Jahren bin ich Botschafterin des Europäischen Tier- und Naturschutzvereins und verbringe einen großen Teil meiner Zeit mit Tierschutz.
Und wie sind Sie auf die Massentötungen von Straßenhunden in der Ukraine aufmerksam geworden?
Viele Menschen kennen mich mittlerweile und wissen, wie aktiv ich bin. Mit ihnen stehe ich beispielsweise via Facebook im ständigen Austausch. Sie haben mir die ersten Bilder aus der Ukraine per E-Mail zugeschickt. Das waren normale Bürger, die Hilfe gesucht haben. Danach war es mein oberstes Ziel, die Tötungen von Straßenhunden in den Medien publik zu machen und die Tötungen zu stoppen.
Und was ist genau in der Ukraine mit den Straßenhunden passiert?
In der Ukraine gibt es schätzungsweise 250.000 Straßenhunde. Diese Hunde hat man in Säuberungsaktionen, in Vorbereitung auf die EM 2012, verstärkt getötet. Die Hunde werden teilweise lebend in fahrenden Krematorien verbrannt! Diese Bilder vergesse ich sicher nie. Es gibt auch Beweise, dass die Hunde in Massengräbern geschüttet wurden und dass Hunde sowie übrigens auch Katzen durch ausgelegte Giftköder ermordet wurden.
Nach den ersten Informationen über die Tötungen, wie sind Sie vorgegangen?
Ich habe zunächst einmal einen Brief an den Präsidenten der Ukraine gesendet, sowie an sämtliche Ministerien und Medien des Landes und habe darin zur sofortigen Beendigung der Tötungsmaßnahmen aufgefordet. Diese sind nicht nur zutiefst inhuman, sondern auch illegal (ukrainisches Tierschutzgesetz 2006). Außerdem habe ich die FIFA, die verantwortlichen Veranstalterin der EM 2012, die UEFA sowie sämtliche Bundesligavereine Deutschlands, allen voran den FC Bayern München, einzelne Spieler und Fußball-Berühmtheiten, angeschrieben. Aber es kamen in den ersten Wochen keine Antworten zurück! Keine Stellungnahme, nichts!
Und dann?
Dann habe ich bestimmt 200 Redaktionen in Deutschland kontaktiert. Und habe auf Facebook gepostet und über das Internet sämtliche Informationen über die Tötung der Straßenhunde in der Ukraine verbreitet. Und so wurde langsam eine Welle des Protestes ausgelöst.
Vor einigen Wochen hat die Ukraine versprochen, die Tötungen der Straßenhunde zu beenden, können wir das Versprechen glauben?
Natürlich haben die Verantwortlichen , angesichts des Protests versprochen, dass die Tötungen nicht mehr passieren werden. Der stellvertretende Bürgermeister von Kiew hat mir das sogar persönlich zugesichert – was ich aber als politische Schutzbehauptung verstehe! Eine Floskel, die nur dazu diente, die Wogen nach Außen zu glätten. Für mich eine inhaltslose Äußerung, ohne rechtliche Bindung oder Taten. Wir wissen, dass in der Ukraine weitergetötet wird, uns erreichen jede Woche entsprechende Berichte von Zeugen!
Was können wir jetzt noch tun? Wie können wir helfen?
Die Menschen können helfen, indem sie an Demonstrationen teilnehmen und die Proteste fortführen, indem sie Sachspenden wie Decken, Körbchen etc. sammeln, oder in dem sie einen geretteten Hund bei sich aufnehmen und ihm Liebe schenken. In jedem Fall können Sie ihre Meinung über die Tötungsmaßnahmen für den Fußball dadurch zum Ausdruck bringen, in dem sie die EM 2012 nicht am TV verfolgen und keine Fanartikel kaufen. So können sie klar machen, dass kommerzielle Interessen nicht ständig über das Leben und das Wohlergehen von unschuldigen Straßentieren gestellt werden können. Es ist wichtig, das Thema nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, schließlich werden jeden Tag Hunde und Katzen in der Ukraine brutal ermordet, da darf man nicht zusehen. Die Menschen können gemeinnützige Vereine unterstützen, wie z.B. den Europäischen Tier- und Naturschutzverein.
Wie hilft der Europäische Tier- und Naturschutzsverein in der Ukraine?
Wir versuchen zuallererst den Menschen in der Ukraine zu vermitteln, dass das Töten von Straßenhunden nicht nur inhuman und illegal, sondern auch ineffizient ist und dass sie die Tötung sofort stoppen müssen. Es dezimiert die Anzahl der Straßenhunde in keinster Weise. Was wirklich hilft, ist, dass man Verantwortung für die Tiere übernimmt und sie sterilisiert. Mit diesen „ Neuter & Release“ Maßnahmen kann man die Zahl der Straßentiere binnen weniger Jahre um das 8-fache nachhaltig und human dezimieren. Dazu haben wir mit verantwortlichen Politikern und der EM-Veranstalterin UEFA in Kiew entsprechende Gespräche geführt. Wir haben der ukrainischen Regierung Soforthilfemaßnahmen und die Entsendung unseres ETN-Ärzte-Teams zwecks Sterilisationsmaßnahmen in Ukraine angeboten. Wir warten nun auf die Genehmigung der Regierung. Wir versuchen auf politischer Ebene eine dauerhafte Verbesserung der Lebenssituation für die Tiere in der Ukraine zu erreichen.
Hat die Ukraine diese Angebot dankend angenommen?
Nein, bisher leider nicht, wir warten auf die Genehmigung. Es ist unser Eindruck, dass die Politiker nicht gern die Einmischung von Ausländischen Tierschutzvereinen in ihre Machenschaften sehen. Man hat Sie haben uns mitgeteilt, dass sie selbst sehr moderne Tierkliniken hätten und selbst für Sterilisationen sorgen können. Was leider nicht stimmt. Ich habe mir erlaubt, eine dieser Kliniken zu besichtigen und habe dort schlimme Missstände gesehen – es gab keine Heizung, es roch unangenehm (nach Pavo Virus!), die Hunde saßen untypisch in der Ecke. Und meiner Meinung nach haben alle Anzeichen von Misshandlungen gezeigt. Die Operationen wurden dann auch noch nach veralteten Standards und Methoden durchgeführt. Aber wir geben nicht auf und hoffen bald vor Ort helfen zu können.
Wie gehen Sie mit den schrecklichen Bildern um, die Sie sehen?
Ich gucke mir diese grausamen Dinge auch nicht gerne an. Aber es bringt nichts, weinend in der Ecke zu liegen. Das hilft niemanden. Ich gehe ganz pragmatisch an die Sache heran und auch wenn das angesichts der Horrorbilder nicht immer leicht ist. Ich möchte Tiere retten. Es ist unfassbar was Menschen Tieren antun können, es gibt nur ein Monster auf der Welt, der Mensch.
Haben Sie eigentlich Mitleid mit einem Sponsor wie Adidas, der nun im Kreuzfeuer der Kritik steht?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe auch kein Mitleid mit Coca-Cola - und mit McDonalds schon gar nicht! Ich bin enttäuscht von den Statements der Unternehmen. Sie distanzieren sich weder entschieden genug von diesem Verbrechen an Tieren, noch nehmen sie ihre Vorbildfunktion insbesondere für Kinder und Jugendliche wahr. Wie kann man ein Sportevent sponsorn, in dessen Namen tausende unschuldige Hunde umgebracht werden? Kaltblütiger Mord an unschuldigen Straßentieren, deren Leben sowieso schon entbehrungsreich genug ist, ist mit der Philosophie des Sports, Toleranz und Fairplay und der friedlichen Botschaft nicht vereinbar.
Werden Sie sich die EM im Fernsehen trotzdem angucken?
Auf keinen Fall.
Danke für das Interview, Maja!
© http://mysocialpetwork.com/
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