Was Sie über Stadttauben wissen sollten

Stadttauben und ihre Herkunft

Stadttauben sind entflogene Haus- oder Rassetauben und ausgebliebene Brieftauben sowie deren Nachkommen, stellte die Tierärztliche Hochschule Hannover 1995/1996 fest. Den stärksten Zuflug haben unsere Stadttaubenschwärme heute durch verirrte und erschöpfte Brieftauben. Die Stammform aller gezüchteten Tauben ist die Felsentaube (Columba livia). Tauben brüten ganzjährig und haben jährlich bis zu zwölf Nachkommen. Diese hohe Brutaktivität ist ein charakteristisches Merkmal für den Eingriff des Menschen durch Zucht (Domestikation). Stadttauben leben in Einehe, brüten und versorgen den Nachwuchs gemeinsam. Sie sind standort- und nistplatztreu. Zur Futtersuche und zum Schutz gegen Greifvögel schließen sie sich zu Schwärmen zusammen. Hohe Gebäude dienen ihnen als Felsenersatz und als Brutorte. Der ursprüngliche Körnerfresser findet in der Stadt kaum natürliche Nahrung, lebt vom Futter der Taubenfreunde und den Abfällen der Wohlstandsgesellschaft.

Tauben haben einen schlechten Ruf

Die leider noch vorhandene Befürchtung, dass Tauben eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen darstellen könnten, ist falsch. Grundsätzlich können alle Lebewesen Überträger von Krankheiten werden. Ausschlaggebend für das Maß der Gefährdung ist sowohl die Art der Erreger als auch ihre Pathogenität (krankmachende Wirkung) für den Menschen. „Eine gesundheitliche Gefährdung durch Tauben ist nicht größer als die durch Zier- und Wildvögel sowie durch Nutz- und Liebhabertiere", stellte bereits 1989 der Präsident des Bundesgesundheitsamtes, Prof. Dr. Dr. Großklaus, fest. Diese Aussage wurde 2001 durch das heutige Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin bestätigt.

Stadttauben und der Umgang mit ihnen

In Deutschland gelten die verwilderten Haustauben seit 1989 nicht mehr als „Schädling" im Sinne des § 13, Absatz 1 Bundesseuchengesetz. Problematisch ist in der Regel die Verschmutzung durch die Hinterlassenschaften der Tauben. Durchschnittlich 10 kg Nasskot produziert eine Taube pro Jahr. Es konnte bislang jedoch nicht nachgewiesen werden, dass die Gebäudezerstörung ihre Ursache ausschließlich im Taubenkot hat. Um die Anzahl der Tauben zu verringern, ordnen die Behörden häufig Fütterungsverbote und vereinzelt Tötungsaktionen an. Die Brutaktivität der Tauben ist jedoch genetisch bedingt und, anders als bei Wildtieren, nicht über das Futterangebot zu regulieren. Wird ein Futterplatz nicht mehr bedient, versammeln sich die Tauben verstärkt an anderen Orten, z.B. in Fußgängerzonen, wo ein Nahrungsangebot durch Geschäfte und Freiluftgastronomie besteht. Das aber gerade will das Fütterungsverbot ja verhindern.

Grundsätzlich verstoßen Tötungsaktionen gegen das Tierschutzgesetz. Zudem stellen sie kein wirksames Instrument zur Bestandsregulierung dar, sondern führen lediglich zu einer Verjüngung der Populationen. Die Bestände wachsen nach einiger Zeit erneut an. Zu den grausamen Folgen von Tötungen gehört auch, dass Nestlinge verhungern, da für die Brutpflege beide Eltern unentbehrlich sind.

Vergrämungsmaßnahmen wie Netze, Spikes oder Stromstöße sollen verhindern, dass Tauben an bestimmten Plätzen sitzen, ruhen oder nisten. Einige Methoden können schwere Verletzungen bei den Vögeln hervorrufen und sind daher abzulehnen. Grundsätzlich können Vergrämungen als begleitende Maßnahmen sinnvoll sein. Als einziges Mittel angewendet, veranlassen sie jedoch lediglich eine Problemverlagerung, denn die Tauben weichen auf benachbarte Standorte aus.