Vorsicht: Krötenwanderung - Autofahrer werden um Rücksicht gebeten!

Alljährlich mit den ersten frühlingshaften Temperaturen begeben sich unsere heimischen Kröten und Frösche auf die Wanderung von den Winterquartieren zu ihren Laichgewäs-sern, wo sie ihre Eier ablegen. Diese Wanderung beginnt meist bei Temperaturen ab 5 bis 6°C und bei feuchtem Wetter. Je nach Wetterlage ist daher von März bis Mai drin-gend Vorsicht geboten. Die genetisch festgeschriebene Wanderschaft der Amphibien, welche die Tiere immer wieder zu den Laichgewässern ziehen lässt, in denen sie selbst die Metamorphose durchlebt haben, ist ein äußerst gefährliches Unterfangen. Die Tiere müssen auf dem Weg zu ihren Laichgewässern häufig Straßen überqueren, auf denen der Autoverkehr für viele von ihnen jedes Jahr zur Todesfalle wird. Da die Amphibien nur bei Regenwetter und in Zeiten der Dämmerung beziehungsweise Dunkelheit am Abend und in der Nacht auf Wanderschaft gehen, werden sie noch leichter Opfer von Autos. Bei Gefahr erstarren die Tiere und nehmen eine Schreckstellung ein, was das herannahende Auto aber wohl kaum beeindruckt. Die Wanderung über die Straße verläuft langsam, da Erdkröten nicht hüpfen sondern kriechen. Daher ein Appell an alle Autofahrer, in dieser Zeit besonders Rücksicht zu nehmen. Wenn Schilder mit dem Warnhinweis "Krötenwanderung" auftauchen, bitte Fuß vom Gaspedal nehmen und die Geschwindigkeit reduzieren. Manchmal bietet sich auch die Möglichkeit, solche Straßen ganz zu meiden; für die Kröten mit Sicherheit der beste Schutz, denn wie gesagt, sie wandern in der Dämmerung und bei feuchtem Wetter, für Autofahrer eine Zeit, in der die Sichtverhältnisse besonders schlecht sind. Doppelte Vorsicht ist geboten, denn nicht selten sind auch Naturschützer bereits in frühen Morgenstunden unterwegs, um Tiere einzusammeln, die des Nachts von einem Schutzzaun abgefangen wurden und jetzt sicher auf die andere Straßenseite gebracht werden müssen. Seit vielen Jahren bemühen sich Tier- und Naturschützer, die Amphibien auf ihren Wanderungen vor dem tödlichen Autoverkehr zu schützen. An bekannten Wanderrouten werden daher Schutzzäune errichtet, so dass die Tiere "gezwungen sind", in einem kleinen Graben auf die helfenden Hände der Tierfreunde zu warten, die sie dann unbeschadet auf die andere Straßenseite transportieren. An manchen Straßen konnten auch Tunnelsysteme errichtet werden, durch die die Kröten unterirdisch und unbeschadet ihre Wanderung fortsetzen können. Solche Aktionen werden jedes Frühjahr von Naturschutzverbänden und ehrenamtlichen Helfern organisiert und durchgeführt. In den meisten Städten gibt es Ortsgruppen, die sich über Hilfe von Tierfreunden mit Sicherheit sehr freuen würden.
Hinweisschilder warnen Autofahrer vor den wandernden Kröten - hier heißt es Fuß vom Gas!
Schutzzäune sind eine Maßnahme, um die Kröten am nächtlichen Überqueren der gefähr-lichen Straßen zu hindern. In dem Morgen- und Abendstunden sind dann die Helfer im Ein-satz, um die Kröten sicher über die Straße zu transportieren. Foto: Delpho/Usher
Info: Erdkröte
Die Erdkröte (Bufo bufo) gehört zur Ordnung der Froschlurche und ist eine von rund 21 Amphibienarten, die es in Deutschland gibt. Die Erdkröten werden erst in der Dämmerung und nachts aktiv. Sie jagen dann nach Regenwürmern, Asseln, Ameisen und anderen Insekten. Zu den natürlichen Feinden der Erdkröten zählen Igel, Reiher und der Fuchs. Der größte Feind ist jedoch der Straßenverkehr und der Mensch. Erdkröten haben eine bräunliche, warzige, mit Giftdrüsen besetzte Haut. Kröten sind wechselwarme Tiere, ihre Körpertemperatur richtet sich nach der Umgebung. Die Männchen werden ca. 8cm groß, die Weibchen mit 15cm deutlich größer. Die Erdkröte ist in fast ganz Europa verbreitet. Ihr Lebensraum sind Laubwälder, Feldgehölze, Hecken, Gärten, Parks und Kies- oder Sandgruben. Das Leben aller Amphibien ist eng an das Wasser gebunden. Zum Ablegen ihrer Eier (Laich) müssen sie in jedem Frühjahr ihre Laichgewässer aufsuchen. Die erste Lebensphase im Wasser verbringen die Amphibien als Larven oder Kaulquappen. Nach einer Umgestaltung des Körpers (Metamorphose) beginnen sie ihr Landleben und kehren meist nur zur Fortpflanzungszeit ins Wasser zurück. Durch die weitgehende Zerstörung und Verkleinerung ihrer Lebensräume sind die Bestände unserer Amphibien stark zurückgegangen. Ursachen dafür sind insbesondere das Verschwinden von Kleingewässern aufgrund von Vermüllung oder Überbauung sowie der stark zugenommene Fahrzeugverkehr. In einigen Regionen hat sich die Zahl der Kleingewässer in den letzten 50 Jahren um mehr als 80 Prozent verringert. Die hohe Dichte des deutschen Straßennetzes führt dazu, dass Amphibien bei ihrer Frühjahrswanderung oftmals Straßen überqueren müssen. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei einer Verkehrsdichte von 60 Fahrzeugen pro Stunde 90 Prozent der über die Straße wandernden Erdkröten überfahren werden.Seit 1980 stehen alle Amphibienarten gemäß Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz. Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es außerdem verboten, Amphibien, deren Laich und Larven der Natur zu entnehmen - etwa um sie in Gartenteichen anzusiedeln.
Quelle: www.nabu.de
Erdkröten wandern immer an die gleichen Laichgewässer. Ihre braune bis olivgrüne Fär-bung bietet in der Natur eine perfekte Tarnung vor Feinden, auf den Straßen wird ihnen die unauffällige Färbung oft zum Verhängnis. Foto: www.delpho.de
