Kaninchenmast - ein Tierschutzskandal

Als Haustiere geliebt, als „Nutz"tiere in engen Käfigen in nur wenigen Monaten schlachtreif gemästet. Aus welchen tierquälerischen Haltungsbedingungen die meisten Mastkaninchen stammen, wissen hingegen die wenigsten.

Ein Leben in engen Käfigen

Für den geschätzten Pro-Kopf-Verbrauch von 0,5 kg Kaninchenfleisch in Deutschland lassen über 24 Millionen Tiere ihr Leben. Das haben sie zuvor weder in Freiland- noch in Bodenhaltung verbracht. Denn die kommerzielle Kaninchenmast findet in der Regel in Käfigen statt. Sog. Flatdecks bestehen aus Hunderten aneinandergereihter Drahtkäfige mit einer Grundfläche von jeweils nur 0,2 qm. In einigen Betrieben fällt wenigstens ein wenig Tageslicht durch die Fenster. Doch nicht einmal das ist überall der Fall. In den engen Käfigen können die Tiere ihrem Bewegungsbedürfnis nicht nachkommen - sie können sich nicht einmal aufrichten. Die Folge: schmerzhafte Verkrümmungen der Wirbelsäule. Durch das „Leben" auf den Gitterböden kommt es zu Verletzungen und Entzündungen an den Pfoten. Viele Tiere sterben bereits während der Mast aufgrund der Haltungsbedingungen - einkalkulierte Ausfälle für die Produzenten. Es gibt in Deutschland keine spezielle Haltungsverordnung für sog. Mastkaninchen. Lediglich das Tierschutzgesetz und die allgemeinen Bestimmungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung können für die Beurteilung der Haltung herangezogen werden. Ausreichend, um den Kaninchen ein artgerechtes Leben zu ermöglichen, sollte man meinen! Dass dies nicht der Fall ist, ist im Grunde ein Skandal.

Verordnung und Handelsverbot

Gemeinsam mit vielen anderen Tierschutzorganisationen fordert der ETN daher ein Verbot der Käfighaltung. Sollte das Ziel tatsächlich erreicht werden, wird es letztlich auf die Inhalte der Verordnung ankommen. Denn wie der traurige Fall der Legehennen zeigt, die noch immer ihr Dasein in engen Käfigen fristen, werden immer wieder Mittel und Wege gefunden, wirtschaftlichen Interessen den Vorrang vor dem Schutz der Tiere einzuräumen. Da eine Verordnung auf nationaler Ebene auch nur in Deutschland greifen würde, ist ein Import- und Handelsverbot von Kaninchenfleisch aus Käfighaltung ebenfalls Gegenstand der Forderung. Denn eine auf Deutschland beschränkte Verordnung hilft den Mastkaninchen im Ausland nicht.

Ein Großteil des in Deutschland konsumierten Kaninchenfleisches wird aus Ländern wie Frankreich, Ungarn, Italien, China, Polen, den Niederlanden und Tschechien importiert. Nur etwa zehn bis zwölf deutsche Unternehmen bestreiten ihre Haupteinnahmen aus der Produktion von Kaninchenfleisch.

Helfen Sie mit!

Neben unseren Bemühungen, auf politischem Weg eine Verbesserung der Haltungsbedingungen zu erreichen, bleibt die wirksamste „Waffe" im Kampf gegen das Leid der Mastkaninchen jedoch die Macht der Verbraucher. Wir als Konsumenten sind es, die am Ende darüber entscheiden, ob Kaninchen weiter unter diesen unwürdigen Bedingungen existieren müssen oder nicht. Erst wenn die Produkte in den Regalen der Supermärkte liegen bleiben, wird auch die grausame Kaninchenmast ein Ende finden. Achten Sie beim Kauf von Fleisch auf Produkte aus artgerechter Haltung!

Fotos: © RDMedia