Auf den Spuren der Hundemafia in Ungarn

Kofferraum mit Welpen

„Welpenhandel" - hinter diesem Begriff steckt unermessliches Tierleid.

Seit geraumer Zeit verfolgen wir die Wege der skrupellosen Welpenhändler. Diesmal führte die Reise nach Ungarn, wo das Geschäft mit der „Ware" Hund erschreckende Ausmaße angenommen hat. Im Jahr 2008 wurden allein über den Budapester Flughafen Fery Hegy mehr als 10.000 Welpen verschickt ... Begleitet von deutschen Kamerateams der ARD und des ZDF, begab sich Wolfgang Stephanow, designierter ETN-Präsident und Vorsitzender des Tierschutz-Projekts Ungarn, auf die Spuren der Hundemafia.

 

Es ist der 7. März 2009. Ein bitterkalter und sehr stürmischer Tag. Mit einem Kamerateam der ARD sind wir auf dem Weg in eine kleine Stadt, ca. 20 km südlich von Budapest. Informationen zufolge soll dort am nächsten Tag der größte Kleintier- und Welpenmarkt Ungarns stattfinden.

 

 

 

 

 

Tierkinder für den europäischen Markt

Frierend im KäfigEs ist bereits dunkel, als wir an unserem Hotel in der Nähe des Veranstaltungsortes ankommen. Auf dem Parkplatz stehen zu unserer Verwunderung viele Transporter mit ausländischen Kennzeichen: Bulgarien, Rumänien, Ukraine und immer wieder Ungarn. Viele der „Aussteller", so wird uns erklärt, stehen schon in der Nacht an, um einen der begehrten Stellplätze auf dem Markt zu ergattern. Nach dem Abendessen mache ich mich, ausgerüstet mit einer Taschenlampe, heimlich auf zu den Transportern auf dem Parkplatz. Die Fahrer sind zum Teil schon schwer betrunken, warten lallend und grölend auf den Moment, an dem sie ihren endgültigen Standplatz einnehmen können. Meine schlimmsten Befürchtungen werden bestätigt. Da sitzen sie: die Hundwelpen, zusammengepfercht in engen Drahtkäfigen, zum Teil mehrere in einer Box, aneinandergeschmiegt, frierend bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Ein Anblick, der Verzweiflung aufkommen lässt. Denn ich kann just in diesem Moment nichts für die verlorenen Seelen tun. Das, was ich hier erblicke, ist in Ungarn kein Verbrechen, sondern Alltag. Kein Polizist würde eingreifen!

Schutzlos dem eisigen Wind ausgesetzt

Exotische Vögel der Kälte ausgeliefertAm Sonntag, den 8. März, machen wir uns auf den Weg zum Welpenmarkt - und es verschlägt uns die Sprache. Hundewelpen und Katzenbabys - zu Hunderten. An diesem Tag werden schätzungsweise mehr als 1.000 Tierkinder zum Verkauf angeboten. Darüber hinaus auch exotische Singvögel, die auf Tischen aufgereiht und in ihren Käfigen schutzlos dem eisigen Wind ausgesetzt sind. Kleine Kaninchen, die sich vor Panik in ihren engen Käfigen überschlagen, der dazugehörige Jagdhund direkt daneben. Menschenmassen bahnen sich den Weg durch die Gassen, links und rechts ausgestellt die „Ware" Tier. Direkt zu Beginn stoßen wir auf einen großen Stand. In den kleinen Einzelboxen befinden sich Rassewelpen. Feilgeboten zum Kauf an jedermann und für jeden Zweck.

  Treffpunkt der Welpenmafia

Welpen für den europäischen MarktUns war im Vorfeld die Information zugespielt worden, dass dieses kleine Städtchen auch der Treffpunkt der Welpenmafia Europas sei. Und dass hier über Bestellungen für den europäischen Markt verhandelt würde. Bei Gesprächen vor laufender Kamera ist natürlich niemand bereit über dieses Thema zu sprechen. Doch inkognito unterhalten wir uns mit Händlern. Uns werden bis zu 50 Welpen einer Rasse zum Sonderpreis angeboten, und dies ganz legal! In einem Land der Europäischen Union! Immer wieder wird bei Gesprächen von den Händlern betont, dass alles verhandelbar sei. Je mehr Tiere, desto billiger würde es. Rassewelpen etwa bekommt man ab 20,- Euro. Ein Eldorado für gewissenlose Welpenhändler, die sich hier für ein paar Euro mit ihrer „Ware" eindecken können, um dann, Tage später, ungeimpfte, zum großen Teil todkranke Tiere an neue Besitzer, auch in Deutschland, für ein Vielfaches ihrer „Investition" zu verkaufen. Viele dieser Welpen überleben die Transporte erst gar nicht! Doch die Welpen werden nicht nur mit Autos oder LKWs transportiert. Alleine im Jahr 2008 wurden über 10.000 Hunde- und Katzenkinder über den Flughafen Budapest als Luftfracht verschickt - auch große deutsche Fluglinien beteiligen sich daran, was nachdenklich stimmen sollte. Es ist der Profit, der zählt. Nicht die Kreatur, nicht das Tier.

 Die Tiere brauchen Ihre Stimme!

Tausende Tierkinder sind an diesem Tag da, doch nicht ein einziges Muttertier. Wie viele dieser armen Lebewesen, die nun seit Mitternacht dort ohne irgendeinen Schutz vor der eisigen Kälte ausharren, werden den Tag überleben? Zu gerne würde ich sie alle mitnehmen - und damit genau das Gegenteil von dem erreichen, was ich möchte. Beim nächsten Markt wäre die doppelte Menge an Welpen im Angebot. Gemeinsam mit dem ETN e.V. aber werde ich darum kämpfen, dass solche Märkte und Veranstaltungen künftig geächtet werden. Auf politischem Wege müssen Möglichkeiten gefunden werden, um diese Quälerei endlich zu beenden. Bis dahin gilt unser Appell an Sie: Besuchen Sie bei Ihrem Urlaub in Ungarn keine Tiermärkte, mit Ihrem Kauf würden Sie weiteres Elend unterstützen. Protestieren Sie mit uns, sagen Sie Ihre Meinung! Und sollten Sie einen kleinen süßen Welpen dort sehen, denken Sie bitte an die Muttertiere, die in dunklen Verschlägen sitzen und nur des Profits wegen als Gebärmaschinen benutzt werden. Die, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, in einer der vielen Tötungsstationen Ungarns „entsorgt" werden. Diese Tiere brauchen Ihre Stimme. Daher unsere Bitte: Unterstützen Sie den ETN e.V. bei seiner Arbeit. Denn jede Seele zählt!

 




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