Plädoyer für eine artgerechte Schweinehaltung

Über viele Jahre gab es nur ein Ziel: noch mehr Fleisch zu noch niedrigeren Preisen zu produzieren. Und in der Tat ist Fleisch heute ausgesprochen günstig. Doch der Preis, den die Muttersauen und ihre Ferkel dafür zahlen, ist hoch. Und die Zustände in den „Ferkelerzeugerbetrieben" darf man mit Fug und Recht als skandalös bezeichnen!

Missstände in Mastbetrieben

Die Sau ist dank ihres angeborenen Mutterinstinkts eine liebevolle Mutter. Bereitwillig legt sie sich viele Stunden am Tag nieder, um den Ferkeln ihr Gesäuge zu bieten. Frisst sie selber, so duldet sie die temperamentvollen kleinen Futterkonkurrenten an ihrer Schnauze. Leider kann heute kaum eine Sau dieses arttypische Verhalten ausleben. Denn in den meisten Haltungen ist sie eingesperrt in einen sehr engen Kasten, der keine Bewegungsmöglichkeiten bietet. Da den Ferkeln kein separater und besonders warmer Raum zur Verfügung gestellt wird, muss auch die Sau Temperaturen von 30° C aushalten! Gelangweilt beginnen die Ferkel in übermäßiger Weise ständig an dem Gesäuge herumzulutschen und leider auch zu beißen, eindeutig eine Folge der minimierten Haltung. Konsequenz: Man kneift den jungen Ferkeln mit einer Zange die Zahnspitzen ab!

 

Natürliche Fortpflanzung contra künstliche Besamung

In unserem Projekt im Ökohof Dottenfelderhof bei Bad Vilbel ist so etwas natürlich absolut tabu! Genau wie enge Koben. Denn die Sau braucht Bewegung, sie muss ins Freie hinausgehen können, ins helle Tageslicht. Sie fühlt sich wohl, wenn sie eine Kotecke hat, die möglichst weit von ihrem Fressplatz entfernt ist. Sie genießt es, wenn sie eine gut gepolsterte und eingestreute Ecke hat, in der sie die Ferkel säugen kann. Außerdem möchte sie in den ersten beiden Wochen möglichst keine anderen Tiere in der Nähe ihrer Ferkel haben. Später dann ist ein Besuch des Ebers durchaus erwünscht. Während sich die Ferkel nach etwa acht bis zwölf Wochen selber von der Muttermilch absetzen, werden sie in der modernen Schweinehaltung bereits nach vier Wochen der Sau entrissen, nur damit diese sich dann, durch den Schock hormonell umgestimmt, künstlich besamen lässt, manchmal zusätzlich stimuliert durch Hormone. Denn in den hochmodernen Haltungssystemen wird keine Sau mehr von selber rauschig (deckfähig). Dazu fühlt sie sich schlicht nicht wohl genug!

Der Preis, den die Tiere zahlen, ist nicht nur zu hoch, er ist auch völlig unnötig und überflüssig. Denn artgerecht gehaltene Schweine pflanzen sich ebenfalls zweimal pro Jahr fort. Und diese Lebensqualität sollten wir ihnen einfach zugestehen. Auch wenn wir dafür einen etwas höheren Preis zahlen müssen.




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