Hilfe für Bruchpiloten: Storchenpflegestation Wesermarsch
Laut einer Sage bringt er den Nachwuchs ins Haus - sein eigener Bestand ist hingegen seit vielen Jahren gefährdet! Zerstörung des natürlichen Lebensraumes, ein fehlendes Nahrungsangebot und eine Vielzahl von Gefahren, wie z. B. Hochspannungsleitungen und Flugverkehr, wurden dem Weißstorch zum Verhängnis.
Weideland für Störche optimiert
Der ETN e.V. hat sich mit seinem Partner - der „Storchenpflegestation Wesermarsch e. V." - dem Schutz der Störche und ihres Lebensraumes verschrieben. Die Storchenpflegestation liegt in der südlichen Wesermarsch, einem Gebiet mit fetten Marschböden. Dies ist auch der typische Lebensraum der Störche, doch in den letzten Jahrzehnten hat sich auch hier ein Wandel vollzogen. Stichworte wie Entwässerung, Umbruch von Grünland in Maisäcker sind nur die eine Seite. Die moderne Landwirtschaft lässt der Natur immer weniger Luft und den Landwirten häufig auch wenig Möglichkeiten allen Ansprüchen gerecht zu werden. Der ETN hat mit seinem Partner Weideland für die Störche optimiert, d. h. Flachwasserzonen angelegt und die Bewirtschaftung in Teilbereichen eingestellt. Die Folge: In den Jahren entwickelte sich in der südlichen Wesermarsch eine Weißstorchbrutkolonie von über 40 Paaren.
In jedem Frühjahr werden die Storchenhorste gereinigt. Der Dreck vom Vorjahr, in dem sich auch Plastikfolien und Netze sowie achtlos weggeworfener Müll befinden, wird entfernt. Gerade Jungstörche verfangen sich in den feinen, nicht verrottenden Fäden und sterben einen qualvollen Tod. Durch die Betreuung der Tiere konnte der Bestand der letzten Brutpaare im Landkreis Wesermarsch nicht nur gesichert, sondern sogar ausgebaut werden. Mühsam wurden alte Nester wieder hergerichtet und je nach Bedarf auch neue Nistunterlagen installiert.
Bruchpiloten sorgen für Nachwuchs
Mehrere hundert krank und verletzt eingelieferte Störche konnten in den letzten Jahren die Pflegestation auf eigenen Schwingen wieder verlassen. Ohne Hilfe wären diese Tiere verendet. Durch die Beringung der Pflegestörche wird über die Vogelwarten im In- und Ausland ihr Zug- und Wiederansiedlungsverhalten erforscht. Viele der „Ehemaligen" kehrten nach Jahren in ihre Heimat zurück und brüteten erfolgreich. In der Station leben aber auch Dauerpfleglinge, das sind Vögel, die aufgrund schwerer Unfälle und Verletzungen nicht mehr in der Lage sind, in der Natur zu überleben. Mithilfe der „Storcheneltern", dem Ehepaar Hilfers, die die Station alleine und ehrenamtlich betreuen, führen die Dauerpfleglinge ein artgerechtes Leben in der Station und ziehen auch eigene Jungstörche auf. Dieser Nachwuchs folgte bislang seinem angeborenen Zugtrieb und flog gen Süden. Doch im Frühjahr kehren stets einige von ihnen in ihre Heimat zurück und sorgen für neuen Storchennachwuchs.
Besucher sind willkommen
Regelmäßig werden in der Storchenstation naturkundliche Führungen durchgeführt, die über diese wunderbaren Tiere informieren und deutlich machen, wie wichtig ihr Schutz und der Erhalt ihres Lebensraumes ist. Ohne die Unterstützung von Tier- und Naturschützern kann diese Arbeit jedoch nicht dauerhaft durchgeführt werden. Und die finanzielle Situation ist wie allerorts schwierig. Das Land Niedersachsen übernimmt einen Teil der Futter- und Tierarztkosten, Personalkosten werden jedoch nicht erstattet. „Mit dem ETN haben wir einen verlässlichen Partner, der sich europaweit und auch hier in der Wesermarsch für den Tier- und Naturschutz einsetzt. Für diese Unterstützung im Storchenschutz möchten wir von ganzem Herzen danken!", erklärt Udo Hilfers, der sich mit seiner Frau seit 1992 dem Schutz der Störche widmet. Für sein großes Engagement zum Erhalt des Weißstorches, seinen professionellen Einsatz bei der Pflege, Aufzucht und Auswilderung verletzter Störche erhielt Udo Hilfers 1999 den Umweltpreis der Stiftung Natur.
Wissenswertes über den Weißstorch (ciconia ciconia)
- Es gibt 19 verschiedene Storch-Arten.
- Weißstörche sind Zugvögel und zählen zu den streng geschützten Tierarten.
- Sie ernähren sich von Insekten, Spinnen, Kleinnagern, Würmern, Raupen, Fröschen und anderem Kleingetier.
- Ankunft der Vögel zwischen März und Mai im Brutgebiet.
- 14 Tage nach der Paarung werden in Abständen von zwei Tagen ca. fünf weiße Eier in das von den Störchen erneuerte Nest vom Vorjahr gelegt.
- Beide Partner bebrüten abwechselnd nach dem zweiten Ei das Gelege.
- Nach etwa 32 Tagen schlüpfen die ersten beiden Jungen, dann alle zwei Tage ein weiteres Küken (suggestiver Schlupf).
- Nach dem Schlupf wiegt ein Storch um die 75 Gramm.
- Die Jungstörche werden von beiden Elternteilen abwechselnd gewärmt und versorgt.
- Im Alter von acht bis neun Wochen verlassen die jetzt flüggen Jungen erstmals ihr Nest.
- Die Altvögel versorgen ihren Nachwuchs weiterhin auf ihrem Horst mit Nahrung.
- Parallel beginnen die Jungen selbstständig Nahrung zu suchen.
- Flügge Jungstörche wiegen ca. 3 kg. Im Alter von drei Monaten starten die ersten Jungen gen Süden.
- August und September sind die Abzugsmonate ins Überwinterungsgebiet.- Der Flug führt sie auf zwei Hauptzugrouten gen Süden. Auf der Westroute ziehen die Störche über Frankreich und Spanien, um dann, bei günstiger Witterung, das Mittelmeer bei Gibraltar zu überfliegen. Auf der Ostroute ziehen sie über den ehemaligen Ostblock zum Bosporus. Auch hier umfliegen sie das Meer, denn über großen Wasserflächen gibt es keine Thermik, die die großen Segelflieger für ihren energiesparenden Langstreckenflug benötigen.
- Die Störche verlassen die Brutregion nicht wegen der Kälte im Winter, sondern weil Nahrungstiere wie Schnecken und Insekten im Winter fehlen.
Weißstörche ziehen nur einmal im Jahr ihre Jungen auf, und zwar in der Region, in der sie selbst aus dem Ei geschlüpft sind.
