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Streit um Stierkampf spaltet Spanien: Kulturgut versus archaische Tierquälerei

Der Stierkampf spaltet derzeit Spanien: Während Madrid das tödliche Vergnügen zum Kulturgut erheben will, plant Katalonien, den Stierkampf als archaische und grausame Tierquälerei zu verbieten. Damit entspricht die nordspanische Provinz den Wünschen der meisten Spanier: Über 70% lehnen die Corrida ab. Da die Stierkampf-Industrie vielerorts nur noch durch die Touristen am Leben erhalten wird, appelliert der Europäische Tier- und Naturschutz e.V. (ETN) an alle Spanien-Reisenden, sich von dem blutigen Spektakel fernzuhalten, um damit ein Ende dieser tierquälerischen Tradition herbeizuführen.

„Gehen Sie nicht zu Stierkämpfen. Tragen Sie durch Ihren Boykotts dazu bei, dass dieses grausame Spektakel bald endgültig der Vergangenheit angehört", appelliert Wolfgang Stephanow, Präsident des ETN an alle Spanien-Urlauber. „Machen Sie deutlich, dass der Stierkampf für Sie eine archaische Tierquälerei ist, die nicht mit den Werten unserer Zivilisation vereinbar ist."

Die Leiden der Stiere beginnen schon vor dem Betreten der Arena: Ihnen werden die Hörner gestutzt, damit diese nicht so spitz sind. Vor dem Kampf werden die Stiere tagelang in völliger Dunkelheit eingesperrt, damit sie geblendet sind, wenn sie die Arena betreten. In der Arena selbst werden sie mit Stichen in empfindliche Körperteile gequält, um sie anzustacheln. Nicht immer ist der Tod eindeutig festgestellt, wenn den besiegten Tieren Schwanz und Ohren als Trophäe abgeschnitten werden.

Doch nicht nur die Stiere leiden. Mancherorts werden auch Pferde bei den Kämpfen eingesetzt. Diesen werden Augen und Ohren verbunden, um ihren Fluchttrieb zu unterbinden. Oftmals erleiden die Pferde auch beim Kampf schwere Verletzungen.

Ganz zu Recht hat daher der Stadtrat im katalanischen Barcelona in seiner Resolution den Stierkampf als „grausame Praxis" bezeichnet. Zuvor hatte eine Bürgerinitiative rund 180.000 Stimmen gegen den Stierkampf eingesammelt. Derzeit wird ein entsprechender Gesetzesentwurf vorbereitet.

Aber nicht nur in Katalonien, sondern in ganz Spanien wenden sich die Spanier von der Corrida ab: Einer Gallup-Umfrage von 2006 zufolge haben 72% der Spanier kein Interesse am Stierkampf. Dem steht eine blutige Industrie entgegen, die sich hinter dem Stierkampf verbirgt: Geschätzte 45 Millionen Menschen sollen im Schnitt pro Jahr eine Eintrittskarte kaufen. Der Jahresumsatz der Zuchtbetriebe soll eine Milliarde überschreiten.

 



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